Probenähen für Menschen mit Behinderung? Unbedingt!

Probenähen für Menschen mit Behinderung? Unbedingt!

Mit Interesse verfolge ich die Entwicklungen bezüglich der Probenähen in der Nähbranche, sei es für neue Stoffe oder Schnittmuster. Und immer häufiger lese ich Klagen, dass ein Kind wegen einer Behinderung nicht mit in ein Probenähen aufgenommen wurde.

Selbstverständlich ist es jedem Schnittersteller selber überlassen wen er ins Probenähen hinein nimmt, aber es gibt mir schon zu denken.

Aus eigener Erfahrung können wir ein Lied davon singen, dass schon eine nicht sichtbare Behinderung viele Schwierigkeiten und Sorgen bereitet. Einer unserer kleinen Tragmals hat einen angeborenen Herzfehler. Wir sind mit diesem Problem nicht alleine im Nähgewerbe, sondern teilen es mit vielen anderen Betroffenen. Man sieht unserem Sohn seine Behinderung nicht an, da er eine gute Sauerstoffversorgung hat. Auf dem Papier und auch im Alltag gilt er trotzdem als behindert.  Wir wissen wie hart es ist mit dieser Tatsache zu leben und immer dieser psychischen und auch physischen Belastung rund um die Behinderung ausgesetzt zu sein.

Nun lesen wir davon, dass  Kinder mit Herzerkrankungen aufgrund ihrer durch Sauerstoffmangel blauen Lippen nicht genommen werden, weil das auf Fotos nicht hübsch genug ausschaut.  Wir lesen davon, dass Kinder mit Mehrfachbehinderung, aufgrund zu geringen Taillenmaßes nicht aufgenommen werden, denn das entspricht nicht den Standardmaßen.

Ursachenforschung

Ich glaube hier spielen gewissen Ängste mit hinein. Man ist unsicher und weiß nicht wie der potenzielle Kunde mit solchen Fotos umgehen wird und in wie weit es ihn vielleicht sogar vom Kauf des neuen Ebooks abhalten könnte. Wie könnte der Kunde reagieren, wenn das Kind blaue Lippen hat und am Sauerstoff hängt? Wie, wenn ein Kind nicht mit Standardmaß posiert?

Ich kann diese Bedenken nachvollziehen und sie sind zu akzeptieren.

Eines ist auch klar, man benötigt für das Testen eines Schnittes wenigstens 95% der Modelle mit einem Standardmaß, da man auch auf dieses Maß gradiert. Sonst passt es am Ende hinten und vorne nicht. Denn jeder Ersteller bezieht sich auf Standardmaßtabellen. Wir wissen auch, dass schöne Bilder des Endproduktes das A und O sind, um einen guten Eindruck des Schnittes zu vermitteln. Und, weil auch das immer mal wieder diskutiert wird:  Auch wir schätzen Bilder, auf denen man die Gesichter der Kinder erkennt und auf denen sie sich sichtlich rundherum wohl fühlen in ihrem neuen Kleidungsstück. Wir mögen diese kindliche Unbeschwertheit, die uns Erwachsenen schon verloren gegangen ist. Das macht das Ganze dann besonders “rund”.  Aber selbstverständlich nehmen wir auch Bilder, auf denen das Gesicht der Kinder gekonnt verdeckt wurde. Da gibt es so viele elegante Möglichkeiten.

Fazit

Für mein Empfinden ist für Kinder mit Besonderheiten in einem so großen “Probenähpool” immer genug Platz und wir finden es großartig beim Tüfteln mitzuhelfen, wenn es mal um eine nicht standardgetreue Figur geht.

Mamas, Papas, Kinder mit Besonderheiten, bitte scheut Euch nicht Euch bei uns fürs Probenähen zu bewerben! Wir haben bei tragmal immer noch ein Plätzchen frei für Kinder oder Erwachsene mit Besonderheiten und wir lieben Eure Fotos! Wir rufen meistens über Facebook auf, weil wir dort schön übersichtlich sammeln können und uns dann zum Nähen in eine gesonderte Gruppe zurückziehen. Aber auch wenn Ihr nicht auf Facebook seid, so seid Ihr immer willkommen, wenn Ihr mit uns gemeinsam nähen könnt und uns ein Feedback und Bilder zukommen lasst. Kontaktiert uns dann gerne über diese Seite.

little lamb ottobre

Viele Grüße an die Nähwelt und an alle Eltern da draußen, die einen verdammt guten Job machen! heart

Katrin von tragmal

Verlinkung

 

 

2017-03-29T18:56:37+00:00 Donnerstag, 19 Januar 2017|leben, nähen|

Ein Kommentar

  1. Liisa 07/19/2017 um 22:04 Uhr

    Ich freu mich immer, wenn ich z.B. bei den “probebenähten” Kindern eins mit Downsyndrom entdecke! Hier sollte es keine Grenzen geben!

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